Kultur & Showbiz Hier baumelt mehr als nur die Seele

00:05  15 november  2017
00:05  15 november  2017 Quelle:   20 Minuten

Weltmeister bummeln!: Jogi fordert Wirbelsturm gegen Frankreich

  Weltmeister bummeln!: Jogi fordert Wirbelsturm gegen Frankreich Dienstag in Köln muss es besser laufen als in Wembley nach der Pause.Später stand auch noch eine Fahrt im London Eye auf dem Programm.

Hier baumelt die Seele . In aller Regelmößigkeit gibt es Phasen in denen es mir so vorkommt, als würde unser Garten nur aus Gerümpelecken bestehen.

Manche Dates enden damit, dass man sich auszieht. Bei © Bereitgestellt von 20 Minuten Manche Dates enden damit, dass man sich auszieht. Bei "Adam sucht Eva" begegnen sich die Singles nackt.

Früher hiess es ja: «Es war einmal …» – und irgendwann nach allerhand traumatisierenden Erfahrungen haben Dornröschen, Schneewittchen und Aschenputtel einen Prinzen bekommen. Heutzutage wird die Mär von der grossen Liebe auf einer Südseeinsel kolportiert.

RTL hat wieder ein paar «liebeshungrige Singles» (wir dachten, die sind alle beim Bachelor) auf einer Insel ausgesetzt. Und weil es ja um innere Werte geht, sollen die sich da gerne ohne den Ballast einer westlich zivilisierten Wohlstandsgesellschaft präsentieren: Drum hoppeln nun ein paar Nackte über den Bildschirm. Wegen der Liebe. Klar.

Fernsehen wird unangenehm

Und um das Flirt-Experiment vom durchschnittlichen FKK-Campingplatz zu distanzieren, entblössen sich hier auch ein paar «Promis» (zur Not googeln Sie die einfach, mussten wir auch). Patricia Blanco («zieht blanco», der musste ja kommen) ist auch dabei.

Die mag man noch. Immerhin hat die Tochter von Schlagerstar Roberto Blanco (80) und ehemalige Dschungel-Camperin gerade dank Magenband und guter Ernährung 50 Kilos abgenommen. Ihr kauft man die bewusste Lockerheit, das Sich-mega-Wohlfühlen vor laufender Kamera immerhin noch zu acht Prozent ab.

Sonst ist das zutiefst unangenehm. Nicht, weil da alles baumelt, wackelt und hüpft, sondern weil man dabei zusieht, wie Menschen, die das sonst einfach nicht so gern machen, es halt trotzdem machen. Vielleicht auch, weil sie müssen. Die Miete, die zahlt sich auch 2017 nicht von selbst. Bestenfalls sind die alle auf der Insel, weil sie FKK schon immer mal ausprobieren wollten.

Die Quoten stimmen: Über 3 Millionen sahen den Staffelstart am Samstag, seither schalten regelmässig über eine Million Zuschauer ein, schreibt Quotenmeter.de.

Zu viel Information blockiert das Beschnuppern

Was da so passiert? Mit viel gutem Willen könnte man den einen oder anderen Gesprächsfetzen als Weiterbildung deklarieren: So erfährt der medizinisch interessierte Zuschauer, dass Melody (Ex-DSDS-Kandidatin) ihre Schamlippen hat verkleinern lassen. Aus ästhetischen und gesundheitlichen Gründen, wie sie mitteilt (tut unter Umständen weh beim Gehen). Ah, die Nase und der Hintern sind auch gemacht. Bisschen viel Information für so einen ersten Beschnupper-Abend.

Auch andere Konventionen werden gelebt. Schon Bridget Jones lernte von ihrer Mutter, dass man Menschen einander mit interessanten Details aus ihrem Leben vorstellen sollte: Schön, haben Melody und Beabrice auch gleich eine Gemeinsamkeit gefunden: Sie sind «Muschischwestern».

Gleich lernen wir auch, dass es sich hier um eine Verbindung handelt, die durch Geschlechtsverkehr mit demselben Mann entsteht. Motivisch passt das auch zur Sendung: Unten ist das neue Oben – gerne intimrasiert. Der Busch bleibt in Australien.

«Alte Pferde» und «Samenstau»

Merken tut das auch «Adam» Michael. Der Zimmermann muss sich schon in Folge eins zusammenreissen da «unten rum». Nur eine Folge später wird der 23-Jährige «Samenstau» beklagen. Sex mit Elisa wäre der «Wahnsinn». Er versucht sein Glück bei ihr. Sie hatte aber schon Sex am Strand. Und dann kam Djamila Rowe (50): Sie beschreibt sich als ein wenig verklemmt. Kurz möchte man sie umarmen, Kind, geh heim, es wird alles gut.

Dann legt sie los: Sie habe seit 2008 keinen Sex mehr gehabt. Michael wähnt sich im Himmel und schickt gleich einen möglichen Beitrag fürs #metoo-Tribunal ins Rennen: «Auf alten Pferden lernt man gut reiten.» Djamila brauche einfach einen Kerl wie ihn, der sie hart rannehme.

Mitleid macht keine Freude

Schon wünscht man sich zurück an den Frühstückstisch, bei dem Nichtigkeiten und Pseudophilosophien dominieren. Auch den schnarchenden Konrad (der hat dank einer Erleuchtung die Insel bereits wieder verlassen) vermisst man kurz.

Es bleibt ein ganz, ganz, ganz fader Nachgeschmack. Das hier hat nichts mehr mit Fremdschämen zu tun, dem Zauber, den Voyeurismus auf ein durchschnittlich kultiviertes Wesen ausüben mag. Mitleid ist das Kerngefühl. Und das macht keinen Spass. So gönnt man Martin (der hat mal eine Casting-Show gewonnen) umso lieber seine kleinen Freuden: Er wollte den «Wind auch mal unten rum spüren». Aber das hätte er auch einfacher haben können.

(bbe)

Kosten für Arbeitszimmer können Werbungskosten sein .
An den Ausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer beteiligt sich möglicherweise auch das Finanzamt: Unter gewissen Voraussetzungen werden die Kosten als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt. «Möglich ist dies, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet oder aber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht», erklärt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin. Für den letztgenannten Fall ist allerdings die Begrenzung des Werbungskostenabzugs auf 1250 Euro im Jahr zu berücksichtigen.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke

Aktuelle videos:

Das ist interessant!